Pharmazie

Pharmazie

Zur Verfügung gestellt durch den Bundesverband der Pharmaziestudierenden in Deutschland e.V.

  1. Wie sieht Ihrer Meinung nach das Aufgabenfeld von Apotheker:innen in der Zukunft aus und wie kann der heilberufliche Aspekt des Berufs stärker in den Mittelpunkt gerückt werden?

Das Aufgabenfeld zukünftiger Apotheker und Apothekerinnen wird von Vielfältigkeit bestimmt sein, da sie zusätzliche Dienstleistungen anbieten dürfen. Sie führen beispielsweise Arzneimittelanalysen durch, machen Nacht-, Not- und Botendienste. Alle Aspekte werden in der Vergütung dargestellt. Für CDU und CSU sind die Apotheken vor Ort eine wichtige Anlaufstelle in unserem Land. Eine flächendeckende Versorgung mit Apotheken ist unabdingbar. Wir wollen sicherstellen, dass Apotheken auch außerhalb der Ballungsräume existieren können.
Mit dem „Gesetz zur Stärkung der Vor-Ort-Apotheken“ haben wir in dieser Wahlperiode die Grundlagen für einen fairen Wettbewerb gelegt. Für Versicherte in der Gesetzlichen Krankenkasse gelten zukünftig gleiche Preise für verschreibungspflichtige Arzneimittel. Auch die Rabatte von Versandapotheken auf rezeptpflichtige Arzneimittel an gesetzlich Versicherte fallen weg. Für zukunftsweisend im Wettbewerb halten wir auch die Möglichkeit, bei Botendiensten von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln an Versicherte der gesetzlichen Krankenversicherung einen zusätzlichen Betrag in Höhe von 2,50 Euro je Lieferort und Tag zu erheben.

Apotheker:innen sind keine reinen Verkäufer, sondern Angehörige eines Heilberufes. Mit dem Gesetz zur Stärkung der Vor-Ort-Apotheken (VOASG) haben wir diese Expertise der Apotheker:innen in den Vordergrund gerückt, indem wir die Möglichkeit geschaffen haben, dass Kassen und Apotheken Dienstleistungsverträge schließen. Dabei wird es vor allen Dingen darauf ankommen, die Beratungskompetenz in den Apotheken zu nutzen. Auch die Grippeimpfung in Apotheken war der SPD ein wichtiges Anliegen, auch wenn sie nicht im VOASG, sondern schon im Masernschutzgesetz auf den Weg gebracht wurde. Das sind für uns wichtige Beispiele, wie die Fachkompetenz der Apotheker:innen als Angehörige eines Heilberufes in Zukunft stärker genutzt werden kann.

Demographischer Wandel und medizinischer Fortschritt stellen eine Herausforderung auch für die Apotheker*innen dar. Durch immer komplexer werdende Arzneimitteltherapien steigen die Anforderungen des Apothekers als Heilberuf. Damit wachsen die Anforderungen an die pharmazeutischen und kommunikativen Kompetenzen der Apotheker*innen. Zudem steigt die Bedeutung einer engeren Zusammenarbeit mit anderen Gesundheitsberufen. Apotheker*innen müssen zum wichtigen Bestandteil einer aufeinander abgestimmten und sektorübergreifenden regionalen Versorgung werden. Wir GRÜNE halten es daher für wichtig, die Zusammenarbeit bereits im pharmazeutischen Studium stärker zu betonen. Notwendig ist außerdem, die pharmazeutische Betreuung und Therapiebewertung ausführlicher zu behandeln und Kenntnisse in psychologischen Grundlagen sowie in Ethik zu vermitteln. Vor dem Hintergrund einer wachsenden Bedeutung biotechnologisch hergestellter Arzneimittel und der zunehmenden Resistenzentwicklung bei Antibiotika unterstützen wir eine stärkere Behandlung auch dieser Themengebiete.

Für DIE LINKE steht die Stärkung des heilberuflichen Charakters schon immer im Mittelpunkt der Apothekenpolitik. Dafür wollen die weitere Kommerzialisierung verhindern und wenden uns strikt gegen Apothekenketten ein, erst recht in der Hand von Kapitelgesellschaften. Wir wollen den Versandhandel mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln wieder beenden, vor allem da wir die zwischenmenschliche Kommunikation als mitentscheidend für den Therapieerfolg ansehen. Die Förderung der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) ist eine zentrale Aufgabe von Apotheker*innen und zugleich ein prioritäres Ziel linker Arzneimittelpolitik. Hier können auch die pharmazeutischen Kompetenzen deutlich stärker genutzt werden, unter anderem mit weitreichenden neuen pharmazeutischen Dienstleistungen.

Gut aus- und fortgebildete Apothekerinnen und Apotheker werden mit ihren pharmazeutischen Kompetenzen in allen Versorgungsbereichen in Zukunft benötigt. Wir Freie Demokraten wollen Apothekerinnen und Apotheker als approbierten Heilberuf weiter stärken und setzen uns für eine zukunftsfeste und Perspektiven schaffende Novellierung der Approbationsordnung für Apothekerinnen und Apotheker ein. Mit einer grundlegenden Neuordnung der Apothekenvergütung wollen wir die heilberuflichen Leistungen der Apothekerinnen und Apotheker angemessen honorieren.

„Zu den Wahlprüfsteinen des BPhD e.V. hat die AfD die programmatische Positionsfindung noch nicht abgeschlossen und sie können in ihrer engen Fachspezifik auch nicht in einem Wahlprogramm abgebildet werden. Darum ist es uns nicht möglich, Ihnen befriedigende Antworten zu geben. Wir wollen Sie aber auch nicht mit Floskeln abspeisen. Deswegen empfehlen wir, dass sich der BPhD e.V. in und mit diesen Fragen an den zuständigen Bundesfachausschuss 8 – Gesundheit – (der AfD, Anm. d. Red.) oder an die neue AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag wendet und sich so in einen fachlichen Austausch begibt.“

In der Zukunft sind Apotheker*innen ein fester Bestandteil der Patient*innenversorgung. Durch eine gute und sinnvolle Digitalisierung können Apotheker*innen problemlos mit allen wichtigen Partner*innen kommunizieren und zusammenarbeiten. In Krankenhäusern sind sie ein fester Bestandteil des behandelnden Teams. Durch eine vorrangige Honorierung der heilberuflichen Aspekte wird der Beruf weiter attraktiv und durch eine entsprechende Anpassung der Vergütung auch das Betreiben von Vor-Ort-Apotheken. Medikationsanalysen und das notwendige Medikationsmanagement in interdisziplinärer Kooperation sollen neben der klassischen Distribution und Rezeptur Hauptaufgaben sein. Verwaltungsaufgaben müssen auf das Notwendigste beschränkt werden. Apotheker*innen sollen mehr als Akteur*innen einer patient*innenorientierten Arbeit denn als Erfüllungsgehilf*innen von Ärzt*innen und Krankenkassen agieren können.

  1. Sollte in Zukunft ein allgemeines Impfen in Apotheken möglich sein und zum integralen Bestandteil des Gesundheitssystems werden? Bitte antworten Sie sowohl auf die COVID-19-Impfungen bezogen, als auch auf Impfungen generell.

Mit dem zum 1. März 2020 in Kraft getretenen Masernschutzgesetz wurde in § 132j SGB V (Sozialgesetzbuch) geregelt, dass Apothekerinnen und Apotheker in öffentlichen Apotheken im Rahmen von Modellvorhaben gesetzlich krankenversicherte Menschen gegen Influenza (Grippe) impfen dürfen. CDU und CSU wollen die hierzu angelaufenen Modellprojekte auswerten und dann – gemeinsam mit den Apothekerinnen und Apothekern – entscheiden, ob und wenn ja, in welchem Rahmen und für welche Impfungen das Impfen in Apotheken weiter ermöglicht werden soll.

Wir können uns vorstellen, dass Impfungen mit regionalen Schwerpunkten – wie die FSME-Impfung – in Apotheken angeboten werden könnten. Die Evaluation der Modellprojekte zur Grippeimpfung wird hier sicher mehr Aufschluss bringen. Impfungen für Kinder sollten aber in den Händen von Kinder- und Jugendärzt:innen bleiben.

Diese Forderung unterstützen wir GRÜNE im Grundsatz. Auch mit Blick auf die Impfungen gegen Covid-19 spricht manches für die Beteiligung der Apotheken. Allerdings ist der Impfstoff momentan ohnehin noch nicht in so großer Menge verfügbar, so dass die Einbindung der Apothekerinnen und Apotheker aktuell für eine bessere Zugänglichkeit der Impfung nicht notwendig ist. Zur allgemeinen Steigerung der Impfquote bei inzwischen gebräuchlichen Impfungen, wie etwa der Grippeschutzimpfung, ist es wichtig, einen niedrigschwelligen Zugang zu Impfungen zu ermöglichen. Hier gibt es bereits Modellprojekte unter Beteiligung von Apothekerinnen und Apothekern mit positiven Ergebnissen, auf die wir aufbauen wollen.

Wie geschrieben befürwortet DIE LINKE die Erweiterung des Aufgabenspektrums der öffentlichen Apotheken. Angesichts der zahlreichen Probleme in der Adhärenzförderung, der Multimedikation, der Heimversorgung und so weiter steht für uns die Impfung nicht ganz oben auf der Liste. Grundsätzlich befürworten wir aber auch Impfungen in Apotheken bei entsprechender Schulung des Personals etwa zur Behandlung bei allergischen Reaktionen.

Nach dem verstolperten Impfstart brauchen wir mehr Geschwindigkeit bei der Impfkampagne zur Bekämpfung der Pandemie. Hierbei sind niedrigschwellige Impfangebote entscheidend. Das Impfen in den Apotheken, unter Berücksichtigung der Patientensicherheit durch hierfür angemessen aus- und fortgebildete Apothekerinnen und Apotheker, wollen wir zeitnah prüfen.

„Zu den Wahlprüfsteinen des BPhD e.V. hat die AfD die programmatische Positionsfindung noch nicht abgeschlossen und sie können in ihrer engen Fachspezifik auch nicht in einem Wahlprogramm abgebildet werden. Darum ist es uns nicht möglich, Ihnen befriedigende Antworten zu geben. Wir wollen Sie aber auch nicht mit Floskeln abspeisen. Deswegen empfehlen wir, dass sich der BPhD e.V. in und mit diesen Fragen an den zuständigen Bundesfachausschuss 8 – Gesundheit – (der AfD, Anm. d. Red.) oder an die neue AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag wendet und sich so in einen fachlichen Austausch begibt.“

Für die COVID-19-Impfung befürworten wir das Impfen durch Apotheker*innen, wenn gewisse Notfallstrukturen vorhanden sind. Dies bedeutet, bspw. bei einer anaphylaktischen Reaktion aufgrund des Vakzins, dass Adrenalin/Epinephrin als intramuskuläre Injektion vorhanden ist und dass das Personal für solche Fälle geschult ist. Ein ärztlicher Kooperationspartner soll für entsprechende Notfälle zügig verfügbar sein bzw. ein entsprechender Rettungsdienst, soweit erforderlich. Inwieweit das generelle Impfen in Apotheken möglich sein soll, dazu haben wir als Volt noch keine abschließende Meinung. Dennoch wäre es möglich, wenn oben genannte Voraussetzungen geschaffen sind und eine ausführliche Fort- und Weiterbildung des Personals garantiert ist. Dies soll grundsätzlich nicht als Konkurrenz zu ärztlichen Dienstleistungen aufgefasst werden sondern als wesentliche Entlastung in einem Gesundheitssystem, das unter fortschreitendem Personalmangel leidet. Da auch Apotheken davon betroffen sind, muss klar definiert sein, wie entsprechende Aufgaben umgesetzt werden können.

  1. Wie kann Ihrer Meinung nach dem oft beschriebenen Apotheker*innenmangel entgegengewirkt und die öffentliche Apotheke für Jungapprobierte attraktiver gemacht werden?

Das Aufgabenfeld zukünftiger Apotheker und Apothekerinnen wird von einer größeren Vielfältigkeit bestimmt sein, da sie zusätzliche Dienstleistungen anbieten dürfen. Sie führen beispielsweise Arzneimittelanalysen durch, machen Nacht-, Not- und Botendienste. Alle Aspekte werden in der Vergütung dargestellt (siehe Antwort auf Frage 1). Hinzu kommt möglicherweise die verantwortungsvolle Aufgabe, Menschen in den Apotheken zu impfen (siehe Antwort auf Frage 2). Diese Perspektiven werden die Attraktivität des Berufes steigern – sowohl von der Tätigkeit her als auch von den Möglichkeiten der Vergütung.

Apotheker:innen sind gefragt. Das gilt auch für PTAs. Die Arbeitsmarktchancen sind in beiden Berufen ausgezeichnet. Dass die Bundesagentur für Arbeit in einigen Regionen Apotheker:innen als Mangelberuf ausgewiesen hat, liegt nicht an der mangelnden Attraktivität des Berufes. Die Zahl der berufstätigen Apotheker:innen ist in den letzten 10 Jahren laut ABDA um 13,7 % gestiegen. Der gestiegene Bedarf an Apotheker:innen kommt vor allem aus den Krankenhäusern (+ 30 %) und Wissenschaft, Industrie und Verwaltung (+ 42 %). Bei gleichbleibender Zahl an Studienplätzen sorgen neben dem gestiegenen Bedarf an Apotheker:innen vor allem Faktoren eine Rolle, die auch aus anderen Berufsfeldern bekannt sind. Genannt werden hier z.B. das Stadt-Land-Gefälle, veränderte Ansprüche an die Work-Life-Balance, die unterschiedliche Attraktivität von Arbeitsplätzen, der Trend zur Teilzeitarbeit sowie die sinkende Bereitschaft zur Selbstständigkeit. Angesichts dieser Entwicklung sollten wir auch über eine Erhöhung der Zahl der Studienplätze nachdenken.

Aus Befragungen wissen wir, dass familiengerechte Arbeitsbedingungen, Teamarbeit, faire Bezahlung und auch die Möglichkeit zur Anstellung bei jungen Apothekerinnen und Apothekern hoch im Kurs stehen. An diesen Punkten wollen wir GRÜNE daher ansetzen, um die Tätigkeit in der öffentlichen Apotheke attraktiver zu machen. Auch die geringe Dichte an Apotheken in ländlichen Regionen wird zunehmend zum Problem, weil damit verbundene Mehrbelastung durch häufigere Notfall- und Wochenendbereitschaften die Attraktivität des Berufes schmälern. Wir setzen uns dafür ein die Vor-Ort-Apotheken überall zukunftsfest und als Arbeitsorte attraktiv zu machen.

Apotheker*innen werden im Vergleich zu anderen Akademiker*innen im Gesundheitsbereich laut Tarifvertrag in der öffentlichen Apotheke unterdurchschnittlich bezahlt. Wir unterstützen hier die Bemühungen der Gewerkschaft, hier die Attraktivität des Berufs durch höhere Abschlüsse zu erhöhen und die Bezahlung nicht vor allem in individuellen Vereinbarungen, in denen Frauen meist systematisch schlechter wegkommen, festzulegen. Wir hoffen, dass die pharmazeutischen Dienstleistungen auch mit einem Gewinn für die eigenverantwortliche und fachlich anspruchsvolle Arbeit in der Offizinapotheke einhergehen. Wir fordern die beiden Vertragspartner Apothekerverband und GKV auf, den Mut zu wirklich neuen Wegen aufzubringen und die Versorgungqualität wirklich voranzubringen.

Apothekerin und Apotheker ist ein Zukunftsberuf. Wir Freie Demokraten wollen Apothekerinnen und Apotheker als approbierten Heilberuf weiter stärken und die pharmazeutischen Kompetenzen in allen Versorgungsbereichen besser nutzen.

Wir Freie Demokraten wollen die Offizinapothekerinnen und -apotheker von überbordender Bürokratie entlasten, faire Wettbewerbsbedingungen zwischen Versand- und Vor-Ort-Apotheken schaffen und mit einer grundlegenden Novellierung der Apothekenvergütung die heilberuflichen Leistungen der Apothekerinnen und Apotheker angemessen honorieren.

„Zu den Wahlprüfsteinen des BPhD e.V. hat die AfD die programmatische Positionsfindung noch nicht abgeschlossen und sie können in ihrer engen Fachspezifik auch nicht in einem Wahlprogramm abgebildet werden. Darum ist es uns nicht möglich, Ihnen befriedigende Antworten zu geben. Wir wollen Sie aber auch nicht mit Floskeln abspeisen. Deswegen empfehlen wir, dass sich der BPhD e.V. in und mit diesen Fragen an den zuständigen Bundesfachausschuss 8 – Gesundheit – (der AfD, Anm. d. Red.) oder an die neue AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag wendet und sich so in einen fachlichen Austausch begibt.“

Wir setzen uns für die Einschränkung des Versandhandels von verschreibungspflichtigen und risikobehafteten Arzneimitteln ein, wie sie bereits in 17 von 28 EU-Staaten praktiziert wird. Ebenfalls wollen wir uns dafür einsetzen, dass die in Deutschland gültigen Rabattverträge der Krankenkassen reformiert werden. Eine Stärkung der Vor-Ort-Apotheken (europaweit) ist durch angemessene leistungsorientierte Vergütungsstrukturen und den Abbau jener bürokratischer Auflagen, die nicht einer hohen Versorgungsqualität dienen, zu erreichen. Die Honorierung der Apotheker*innen soll sich an heilberuflichen Gesichtspunkten orientieren und nicht nach Art und Menge des Produkteinsatzes.

  1. Der BPhD fordert schon seit Längerem eine Novellierung der Approbationsordnung für Apotheker. Wie stehen Sie zu einer Anpassung auch in Bezug auf eine Verlängerung des Pharmaziestudiums um zwei Semester und welche Inhalte sollten im Pharmaziestudium stärker vertreten sein?

Wer die Versorgung von morgen sichern will, muss heute genügend ausbilden. In den Gesundheitsberufen und in der Pflege werden wir die Aus- und Weiterbildung stärken und die Reform der Berufsgesetze vollenden. Dabei verschließen wir uns auch einer Novellierung der Approbationsordnung für Apotheker unter Einbeziehung der relevanten Akteure nicht. Wir begrüßen daher die Einrichtung eines Runden Tisches durch die Bundesapothekerkammer.

Im Rahmen des Masterplan Medizinstudium 2020 werden 37 Maßnahmen vorgeschlagen, die das gemeinsame Ziel verfolgen, die ärztliche Ausbildung an sich verändernde Anforderungen in Gesellschaft und Gesundheitswesen, insbesondere die Herausforderungen des demographischen Wandels, anzupassen. Vor denselben Herausforderungen steht auch die Ausbildung der Apotheker:innen. Wir sind deshalb dafür, aus den Erfahrungen des Masterplans Medizinstudium 2020 zu lernen und zu prüfen, inwieweit Dauer und Inhalt des Pharmaziestudiums ebenfalls angepasst werden sollten.

Wir GRÜNE stehen einer Verlängerung des Pharmaziestudiums auch mit Blick auf die künftigen Anforderungen an den Beruf der Apothekerin, des Apothekers positiv gegenüber. Wie in der Antwort auf Frage 1 dargestellt, halten wir es für wichtig, die pharmazeutische Beratung/Betreuung und Therapiebewertung ausführlicher zu behandeln, Kenntnisse in psychologischen Grundlagen sowie in Ethik zu vermitteln und auch Themen wie Biologika und Antibiotikaresistenzen stärker aufzugreifen.

DIE LINKE hat die Stärkung der klinischen Pharmazie im Pharmaziestudium begrüßt. Aber das ist nicht ausreichend, um die Aufgabenfelder der meisten Apotheker*innen vorzubereiten. Ein besonderer Fokus sollte hier in der Unterweisung in klinisch-wissenschaftlicher Methodik liegen, denn Fachmenschen für Arzneimittel müssen ohne Probleme in der Lage sein, sinnvolle von den vielen weniger sinnvollen Studien zu unterscheiden, die häufigen Ansätze für Ergebnis-„Korrektur“ zu erkennen und einen kritischen Blick auf populärwissenschaftliche Veröffentlichungen oder Marketingaussagen der Hersteller einzunehmen. Da die Mehrzahl der Absolvent*innen in der Patientenversorgung arbeitet, sollte die Sozialpharmazie im Studium aufgewertet werden. Stärker zu berücksichtigen ist nach unserer Auffassung auch die Schulung kommunikativer Fähigkeiten, ohne die eine erfolgreiche Vermittlung des pharmazeutischen Wissens nicht möglich ist.

Wir Freie Demokraten sehen den Beruf der Apothekerin beziehungsweise des Apothekers als eine wichtige Säule für unser Gesundheitssystem. Wir wollen Apothekerinnen und Apotheker insbesondere als approbierten Heilberuf stärken und die pharmazeutischen Kompetenzen in allen Versorgungsbereichen besser nutzen. Wir setzen uns für eine zukunftsfeste und Perspektiven schaffende Novellierung der Approbationsordnung für Apothekerinnen und Apotheker ein, die insbesondere den Bereich der klinischen Pharmazie in der pharmazeutischen Ausbildung weiter aufwertet. Ob hierfür eine Verlängerung des Pharmaziestudiums insgesamt erforderlich ist, muss insbesondere im Austausch mit den Studierenden der Pharmazie und den Vertreterinnen und Vertretern aus Forschung und Lehre geprüft werden.

„Zu den Wahlprüfsteinen des BPhD e.V. hat die AfD die programmatische Positionsfindung noch nicht abgeschlossen und sie können in ihrer engen Fachspezifik auch nicht in einem Wahlprogramm abgebildet werden. Darum ist es uns nicht möglich, Ihnen befriedigende Antworten zu geben. Wir wollen Sie aber auch nicht mit Floskeln abspeisen. Deswegen empfehlen wir, dass sich der BPhD e.V. in und mit diesen Fragen an den zuständigen Bundesfachausschuss 8 – Gesundheit – (der AfD, Anm. d. Red.) oder an die neue AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag wendet und sich so in einen fachlichen Austausch begibt.“

Grundsätzlich verfolgen wir das Ziel der weiteren Qualifizierung und Verbesserung von Gesundheitsberufen für ein modernes Gesundheitswesen. Speziell mit einer Reform der Approbationsordnung für Apotheker*innen haben wir uns noch nicht beschäftigt. Daher können wir auch leider nichts zu potenziellen Inhalten sagen. Aber als evidenzbasierte Partei würden wir gerne in den Diskurs mit Ihnen gehen, um Probleme und Verbesserungsbedarfe zu erörtern. Grundsätzlich beschreiben schon die Antworten zu den ersten Fragen unsere Position zu einer Qualifikationserweiterung. Über weitere Aspekte und Aufgaben wäre zu diskutieren. Die entsprechende Hochschulausbildung und eine neue Approbationsordnung müssen das widerspiegeln.

  1. Was unternimmt Ihre Partei, um Desinformation zu Gesundheitsthemen in der Bevölkerung zu verringern und wie stehen Sie zur Erstattungsfähigkeit nicht-evidenzbasierter Leistungen durch die Krankenkassen? Wie stehen Sie zur Apothekenpflicht von Homöopathika?

CDU und CSU wollen die Gesundheitskompetenz in Deutschland weiter stärken. Dazu gehört, dass es einen niedrigschwelligen Zugang zu gesundheitsbezogenen Informationen gibt. Das von CDU und CSU in dieser Legislatur eingeführte „Nationale Gesundheitsportal“ (gesund.bund.de), das qualitätsgesicherte Gesundheitsinformationen unabhängig und wissenschaftlich belegt und leicht verständlich zur Verfügung stellt, ist ein wichtiger Baustein. Daneben wollen wir die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) weiter stärken und das Robert-Koch-Institut (RKI) zu einem deutschen Public Health Institut ausbauen. Zudem halten wir am bewährten Prinzip der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen fest. Für CDU und CSU bleiben die evidenzbasierte Medizin und die Entscheidung für neue Untersuchungs- und Behandlungsmethoden nach dem diagnostischen und therapeutischen Nutzen der Maßstab für die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Im Rahmen des Wettbewerbs können die Krankenkassen darüber hinaus individuell zusätzliche Leistungen in Form von Satzungsleistungen übernehmen. Am Apothekenvorbehalt für Arzneimittel wollen wir aus Gründen des Patientenschutzes und der Arzneimittelsicherheit festhalten, da die fachkundige Beratung in der Apotheke unabdingbar ist.

Für eine Vielzahl von komplementärmedizinischen Heilmethoden fehlen insbesondere im direkten Vergleich zu schulmedizinischen Behandlungsmethoden bisher empirisch fundierte Erkenntnisse sowohl über den wissenschaftlich gesicherten Nutzen als auch über die möglichen Risiken. Die SPD erkennt an, dass naturheilkundliche Behandlungen für viele Menschen in Deutschland wichtig und gewünscht sind. Wir begrüßen daher alle Maßnahmen, die zu einer stärkeren Evidenzbasierung und Weiterentwicklung der Qualitätssicherung von alternativen Behandlungsmethoden führen. Dazu gehören auch verlässliche und seriöse Informationen über Gesundheitsthemen, wie sie auf gesundheitsinformation.de (IQWiG) oder gesund.bund.de (BMG) zu finden sind. An der Apothekenpflicht für Homöopathika wollen wir festhalten, weil nur so die Sicherheit der Versorgung mit Homöopathika sichergestellt werden kann.

Qualitätsgesicherte Gesundheitsinformationen sind ein zentrales Instrument gegen Fake News. Für diese Informationen ist ein zentrales Informationsportal sinnvoll, darüber hinaus müssen evidenzbasierten Gesundheitsinformationen vor allem überall dort verfügbar sein, wo die Menschen danach suchen. Ganz grundsätzlich wollen wir den Stellenwert der Gesundheitsförderung ausbauen. Das beinhaltet auch, das Wissen über die eigene Gesundheit, über Behandlungs- und Untersuchungsmethoden, über Arzneimittel etc. zu verbessern.  Leistungen, die medizinisch sinnvoll und gerechtfertigt sind und deren Wirksamkeit wissenschaftlich nachgewiesen ist, müssen von der Solidargemeinschaft übernommen werden. Eine Streichung der Apothekenpflicht von Homöpathika sehen wir kritisch. Auch wenn Homöpathika in der Regel keine arzneilich wirksamen Stoffe enthalten, ist mit ihrem Einsatz – etwa wenn auf wirksame Therapien verzichtet wird – ein gewisses Risiko verbunden, für das eine Beratung notwendig ist.

DIE LINKE sieht die Aufhebung der Apothekenpflicht für Arzneimittel der sogenannten besonderen Therapierichtungen kritisch. Die Apotheke ist der Ort, in dem die Menschen sich über nachgewiesene Wirkungen, aber auch Risiken von Therapien ohne Nachweis einer Wirksamkeit erkundigen können. Apotheker*innen obliegt es auch, bei Verdacht auf eine schwerere Erkrankung auf die Notwendigkeit einer ärztlichen Behandlung hinzuweisen. Hier erfüllt die Apotheke auch die wichtige Funktion eines Door-Openers ins Gesundheitssystem. Selbstverständlich steht es den Menschen in der Selbstmedikation frei, sich auch mit diesen Informationen für solche Arzneimittel und gegen eine anerkannte Behandlungsmethode zu entscheiden. Der Rat des Fachmenschen sollte jedoch wissenschaftlich Hand und Fuß haben. Die Übernahme von weiteren nicht wissenschaftlich anerkannten Therapien sehen wir insbesondere vor dem Hintergrund, dass die GKV solidarisch finanziert ist, kritisch.

Wir Freie Demokraten setzen uns für die Selbstbestimmung der Patientinnen und Patienten ein. Um dies zu ermöglichen, müssen die Patientinnen und Patienten eine sach- und adressatengerechte Aufklärung erhalten können, um jederzeit selbst und eigenverantwortlich über ihre gesundheitlichen Belange entscheiden zu können. Barrieren zu allgemeinen Gesundheitsinformationen wollen wir weiter abbauen und die gesundheitliche Aufklärung insgesamt stärken.

„Zu den Wahlprüfsteinen des BPhD e.V. hat die AfD die programmatische Positionsfindung noch nicht abgeschlossen und sie können in ihrer engen Fachspezifik auch nicht in einem Wahlprogramm abgebildet werden. Darum ist es uns nicht möglich, Ihnen befriedigende Antworten zu geben. Wir wollen Sie aber auch nicht mit Floskeln abspeisen. Deswegen empfehlen wir, dass sich der BPhD e.V. in und mit diesen Fragen an den zuständigen Bundesfachausschuss 8 – Gesundheit – (der AfD, Anm. d. Red.) oder an die neue AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag wendet und sich so in einen fachlichen Austausch begibt.“

Wir erachten einen Fokus auf Bildung als ein wesentliches Element für eine zukunftsfähige Gesellschaft. Dabei soll insbesondere auch das Verständnis wissenschaftlichen Arbeitens gefördert werden. Ebenso wie die selbständige und kritische Erarbeitung von Themengebieten. Zusätzlich setzen wir uns sowohl für eine geeignete Medien- als auch Gesundheitskompetenz ein. All diese Fähigkeiten helfen unserer Ansicht auch in der individuellen Einordnung und Bewertung von (Des-)Informationen und den daraus abgeleiteten Maßnahmen.
Wir wollen innovative Behandlungsformen fördern, sofern diese einen erheblichen Vorteil gegenüber den bewährten Therapieansätzen belegen können. Alternative Behandlungsformen wie z. B. die Homöopathie oder Biochemie nach Schüssler müssen Wirksamkeit und Unbedenklichkeit nach allgemein anerkannten wissenschaftlichen Kriterien belegen, bevor sie unter die Leistungsübernahme seitens der Krankenkassen fallen. Mit der spezifischen Frage, inwieweit die Apothekenpflicht bzw. Entfall für Homöopathika gelten soll, haben wir uns bisher noch nicht tiefgehend mit beschäftigen können.

  1. Wie kann aus Ihrer Sicht das Problem der Lieferengpässe von Medikamenten und Medizinprodukten beseitigt werden? Wie steht Ihre Partei in diesem Zusammenhang zu einer Verlagerung der Arzneimittelproduktion zurück nach Europa und wie setzen Sie sich konkret für diese Verlagerung der Produktion ein?

CDU und CSU wollen eine sichere Arzneimittelversorgung für die Bevölkerung. Die Corona-Pandemie hat einmal mehr gezeigt, dass wir hier unsere Anstrengungen verstärken müssen, auch die Produktion von Wirkstoffen, Arzneimitteln und Medizinprodukten wieder vermehrt nach Europa zu holen. Auf dem Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV) und dem Gesetz für einen fairen Kassenwettbewerb in der gesetzlichen Krankenversicherung (GFKV-FKG) bauen wir auf. Mit unseren Pharma-Unternehmen wollen wir dafür sorgen, dass kritische Schutzkleidung, medizinische Geräte sowie alle wichtigen Medikamente in mindestens einer Variante in Europa produziert werden. Bei den „Benannten Stellen“ werden wir darauf hinwirken, dass der Ausbau beschleunigt wird und dadurch innovative Medizinprodukte schnellstmöglich bei den Patienten ankommen. Schnellere Genehmigungsverfahren werden den Pharma- und Forschungsstandort Deutschland stärken. Wir werden das Tempo für die Entwicklung neuer Medikamente erhöhen, indem wir einheitliche Vorgaben schaffen – etwa beim Datenschutz, bei länderübergreifenden Studien oder der Einführung verbindlicher Musterverträge für klinische Prüfungen.

Durch die Corona-Krise wurde deutlich, dass die Abwanderung der Arzneimittelproduktion ins Ausland
und die damit zunehmende Abhängigkeit zu Lieferengpässen führen kann. Dass die gezielte Förderung von Innovationen und neuen Methoden in Deutschland erfolgreich sein kann, hat aktuell das Beispiel BioNtech gezeigt. Es zeigt auch, dass eine aktive Rolle des Staates z.B. durch die finanzielle Förderung forschender Unternehmen Leben retten kann. Wir wollen ein System, das in Krisensituationen die Produktion, Bereithaltung und Verteilung von notwendiger Arznei und Medizinprodukten sicherstellt. Dazu gehört es auch, dass wir uns im europäischen Rahmen dafür einsetzen, die Produktion von Arzneimitteln und Vorprodukten in Europa wieder zu stärken.

Die Lieferketten und –engpässe müssen besser und regelmäßig nachvollzogen werden können. Wir GRÜNE wollen daher eine Meldepflicht bei allen Medikamenten-Engpässen und nicht nur für versorgungsrelevante Medikamente. In der Verantwortung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) wird ein zentrales Register aufgebaut. Durch dieses Register können die Behörden bei drohenden Lieferengpässen frühzeitig gegensteuern. Wir werden außerdem die Handlungskompetenz des BfArM bei Lieferengpässen ausbauen. Es müssen überdies auf europäischer Ebene Anreize entwickelt werden, um vor allem Wirkstoff-Produktionen wieder vermehrt in der EU anzusiedeln. Dabei soll ein Schwerpunkt auf die für Pharmaunternehmen weniger lukrative Herstellung von Impfstoffen und Antibiotika, insbesondere wegen ihrer Bedeutung für die öffentliche Gesundheit, gelegt werden. Wir setzen uns für den zügigen Aufbau von HERA ein, einer europäischen Behörde, die künftig staatliche und privatwirtschaftliche Aktivitäten besser koordinieren soll.

Wir wollen die Arzneimittelhersteller verpflichten, ihre Lieferketten und ihr Produktionsmanagement robuster auszugestalten und die Fehleranfälligkeit zu reduzieren. Wäre ein Lieferengpass für den Hersteller vermeidbar gewesen, müssen empfindliche Bußgelder folgen. Erleiden Menschen gesundheitlichen oder Kostenträger finanziellen Schaden durch einen selbstverschuldeten Lieferengpass, sollten die Hersteller regresspflichtig sein. Um Engpässe bei Generika zu verhindern, wollen wir unter anderem Rabattverträge abschaffen. Die Herstellung in der EU könnte gefördert werden, indem sie etwa bei Preisverhandlungen zwischen Kassen und Herstellung berücksichtigt wird. Wir weisen aber darauf hin, dass erstens dadurch noch nicht sicher Lieferengpässen vorgebeugt wird (es gab z.B. große Engpässe wegen Werksausfall in Spanien) und dass zweitens trotzdem die Überwachung der Einhaltung der Herstellungsregeln auch für Arznei- und Hilfsstoffe weltweit zuverlässig funktionieren muss.

Wir Freie Demokraten wollen die Versorgung mit Arzneimitteln und Impfstoffen jederzeit für die Patientinnen und Patienten gewährleisten. Engpässe in der Versorgung müssen vermieden und bekämpft werden. Dazu sind Maßnahmen zu ergreifen, die das Ziel haben, die Herstellung von Arzneimitteln nach Deutschland oder die EU zurück zu verlagern. Im Mittelpunkt stehen dabei der Abbau von Bürokratiepflichten, die Prüfung von Investitionsbezuschussungen für Produktionsstätten, sowie die Prüfung von Zuschüssen zur Gewährung der Versorgungssicherheit.

„Zu den Wahlprüfsteinen des BPhD e.V. hat die AfD die programmatische Positionsfindung noch nicht abgeschlossen und sie können in ihrer engen Fachspezifik auch nicht in einem Wahlprogramm abgebildet werden. Darum ist es uns nicht möglich, Ihnen befriedigende Antworten zu geben. Wir wollen Sie aber auch nicht mit Floskeln abspeisen. Deswegen empfehlen wir, dass sich der BPhD e.V. in und mit diesen Fragen an den zuständigen Bundesfachausschuss 8 – Gesundheit – (der AfD, Anm. d. Red.) oder an die neue AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag wendet und sich so in einen fachlichen Austausch begibt.“

Als paneuropäische Partei sehen wir die Problematik der Abhängigkeit von der Arzneimittelproduktion, im speziellen der APIs (aktive pharmazeutische Wirkstoffe, Anm. d. Red.), aus dem Süd-Ost-asiatischen Raum, vor allem aus China und Indien. Als europäische Partei ist es uns daher ein Anliegen, ausreichend Arzneimittel für Europa sicherzustellen. Die COVID-19-Pandemie hat nochmal erneut aufgezeigt wie sehr diese Abhängigkeit zur Gefahr werden kann. Erste Schritte und Ideen innerhalb der Partei sind dazu schon angestoßen. Da dies aber ein europäisches Thema und zusätzlich sehr komplex ist, müssen wir mit unseren europäischen Volt-Chaptern noch zu einem gemeinsamen Standpunkt kommen. Grundsätzlich aber befürworten wir die Idee, uns unabhängiger von Arzneimittellieferungen aus dem asiatischen Ausland – das derzeit nahezu monopolistische Strukturen angenommen hat – zu machen.

  1. Wie steht Ihre Partei zu einem verstärkten Einsatz von Apotheker*innen auf Station? Welche weiteren konkreten förderwürdigen Ansätze sehen Sie für die Stärkung der interprofessionellen Zusammenarbeit von Ärzt*innen und Apotheker*innen sowohl im Berufsalltag als auch in der Ausbildung?

CDU und CSU begrüßen Modellvorhaben im Gesundheitswesen zur interprofessionellen Zusammenarbeit. Auf der Zusammenarbeit im Bereich des Impfens und den Möglichkeiten zu neuen pharmazeutischen Dienstleistungen wollen wir aufbauen.

Aktuell müssen nur in Niedersachen Stationsapotheker:innen beim Medikationsprozess im Krankenhaus eingebunden werden. Das sollte jedoch überall der Standard sein. Ein pharmazeutischer Blick auf die Medikation ist unbedingt nötig. Die Pandemie hat uns gezeigt, wie sehr wir auf gute Kooperation bei der Gesundheitsversorgung angewiesen sind – aber auch, wie gut sie funktionieren kann. Wir werden in Zukunft die Zusammenarbeit von Ärzt:innen und Apotheker:innen auch deshalb stärken müssen, weil wir sonst nicht in der Lage sein werden eine flächendeckende Versorgung sicherstellen zu können.

Die Einbeziehung von Apotheker*innen in stationäre Behandlungsteams führt zu einer höheren Arzneimitteltherapiesicherheit, zu einer Entlastung von Pflegekräften und zugleich einer höheren Wirtschaftlichkeit der Versorgung. Gute Erfahrungen wurden international gesammelt, wenn Apotheker*innen an den Visiten teilnahmen oder Zugriff auf die Patientenakte hatten. Vor diesem Hintergrund unterstützen wir GRÜNE einen verstärkten Einsatz auf Station. Wir halten eine verstärkte Zusammenarbeit unterschiedlicher Gesundheitsberufe auf Augenhöhe notwendig. Dabei müssen auch Apotheker*innen eingebunden werden und etwa Beratungsleistungen zum Beispiel zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit oder der Therapietreue übernehmen. Damit diese bessere Zusammenarbeit gelingt, muss sie in der Ausbildung etwa durch gemeinsame Curricula gelernt und trainiert werden. Auch die elektronische Patientenakte unterstützt eine bessere Zusammenarbeit der Berufe.

DIE LINKE tritt seit Langem für mehr Kooperation zwischen den Gesundheitsberufen, aber auch den unterschiedlichen Sektoren ein. Internationale Erfahrungen zeigen, dass Apotheker*innen nicht nur in Klinikstationen, sondern auch in Arztpraxen die Versorgungsqualität verbessern können. Wir unterstützen solche Modellprojekte auch in Deutschland. Zur Verbesserung der interprofessionellen Zusammenarbeit von Ärzt*innen und Apotheker*innen sehen wir zahlreiche Möglichkeiten, etwa in der Wirkstoffverordnung, der systematischen Beratung der Ärzt*innen über neue Arzneimittel oder auch über rechtliche Gegebenheiten. Voraussetzung ist ein Umgang auf Augenhöhe, aber auch die entsprechende Erweiterung der pharmazeutischen Kompetenzen.

Wir Freie Demokraten wollen die pharmazeutischen Kompetenzen der Apothekerinnen und Apotheker in allen Versorgungsbereichen stärker nutzen. Neben den Krankenhausapothekerinnen und -apothekern kann der Einsatz von Stationsapothekerinnen und -apothekern in der Krankenhausversorgung in kollegialer Zusammenarbeit mit ärztlichen und nichtärztlichen Kräften eine Möglichkeit sein, um zum Wohle der Patientinnen und Patienten die Arzneimitteltherapiesicherheit weiter zu erhöhen und den Arzneimitteleinsatz insgesamt weiter zu effektivieren. Die interprofessionale Zusammenarbeit ist in allen Versorgungsbereichen ein Gewinn für die Patientinnen und Patienten. Aspekte der Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen Heil- und Gesundheitsfachberufen sollten bereits im Rahmen der Ausbildung aller Heil- und Gesundheitsfachberufe stärker als bisher in den Fokus genommen werden. Wir Freie Demokraten setzen uns dafür ein, durch die Entlastung der im Gesundheitswesen Tätigen von überbordender Bürokratie mehr Zeit für die eigentliche Patientenversorgung und den konsiliarischen Austausch zwischen den einzelnen Gesundheitsprofessionen zu schaffen.

„Zu den Wahlprüfsteinen des BPhD e.V. hat die AfD die programmatische Positionsfindung noch nicht abgeschlossen und sie können in ihrer engen Fachspezifik auch nicht in einem Wahlprogramm abgebildet werden. Darum ist es uns nicht möglich, Ihnen befriedigende Antworten zu geben. Wir wollen Sie aber auch nicht mit Floskeln abspeisen. Deswegen empfehlen wir, dass sich der BPhD e.V. in und mit diesen Fragen an den zuständigen Bundesfachausschuss 8 – Gesundheit – (der AfD, Anm. d. Red.) oder an die neue AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag wendet und sich so in einen fachlichen Austausch begibt.“

Volt vertritt den Ansatz, dass nur eine gute Zusammenarbeit aller Professionen im Gesundheitswesen mit Einbezug der Patient*innen zu einer erfolgreichen Versorgung führen kann. Daher streben wir eine transdisziplinäre Kooperationskultur an. In diesem Sinne unterstützen wir Projekte wie am Universitätsklinikum Heidelberg wo Apotheker*innen schon jetzt als Bestandteil des behandelnden Teams auf Station Standard sind. Ebenso, dass in Niedersachsen ab 2022 verpflichtend ein*e Apotheker*in mit auf Station arbeiten soll.
Ebenfalls sehen wir in der Digitalisierung enormes Potenzial, die Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen den Professionen zu verbessern. Daher wollen wir die Projekte KIM und eRezept der gematik so schnell wie möglich im Sinne einer patient*innenorientierten Kooperationsstruktur installiert sehen.
Um ein besseres Verständnis zwischen den Gesundheitsberufen zu ermöglichen, wollen wir regelmäßige Hospitationsmöglichkeiten schaffen.

  1. Welche Maßnahmen will Ihre Partei ergreifen, um die Verschmutzung der Umwelt durch Arzneimittelrückstände national und international zu reduzieren? Wie und bis wann sollte ein klimaneutrales Gesundheitssystem erreicht werden?

Unser Ziel ist, dass Deutschland bis 2045 ein klimaneutrales Industrieland wird – dies gilt auch für das Gesundheitswesen. Deshalb müssen wir auch im Gesundheitswesen national wie international ökologische Verantwortung übernehmen. Wir wollen eine Strategie entwickeln, damit das deutsche Gesundheitswesen so rasch wie möglich klimaneutral wird und bestehende gesetzliche Regelungen zur Förderung der Ökologie umgesetzt werden. Darüber hinaus wollen wir die Entwicklung innovativer ökologischer Konzepte in der Medizin fördern. Wir sind überzeugt, dass auch eine zunehmend „Ökologische Medizin Made in Germany“ international die deutsche Gesundheitswirtschaft stärkt und dass wir so neue attraktive Arbeitsplätze schaffen. Bei der Arzneimittelentsorgung setzen wir auf verstärkte Aufklärung, wie sie bereits durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) erfolgt oder durch eine spezielle Kampagne der Bundesregierung im vorigen Jahr gefördert wurde: Nicht verbrauchte Medikamente müssen so entsorgt werden, dass sie die Umwelt nicht belasten. Dabei sind die kommunalen Entsorgungsregelungen zu berücksichtigen.

Der Eintrag von Arzneimittelrückständen in die Umwelt, insbesondere in Gewässer und Böden, wird seit vielen Jahren thematisiert. Im letzten Jahr lief eine Kampagne zur korrekten Entsorgung von Arzneimitteln. Die 4. Reinigungsstufe ist in einigen Kläranlagen bereits Standard. Problematischer ist der diffuse Eintrag von Tierarzneimittel über Gülle und Dung sowie über die Weidetierhaltung. Sowohl über die einzelnen Wirkstoffe, die Mengen als auch über die kurz- und langfristigen Folgen des Eintrags auf aquatische Lebewesen als auch den Menschen gibt es nur sehr wenige bis keine Daten. Die Ergebnisse, die vorliegen, beruhen meist auf Stichprobenuntersuchungen. Insgesamt präferieren wir das Vorsorgeprinzip. Wir begrüßen daher, dass in der neuen EU-Tierarzneimittelverordnung die Zulassung eines Tierarzneimittels aus Umweltgründen verweigert werden kann. Wir wollen deutschlandweit bis 2045 in allen Sektoren klimaneutral sein. Zum Beispiel werden Akteure aus dem Gesundheits- und Sozialwesen mit 200 Mio. Euro gefördert, die ihre Flotten auf Elektrofahrzeuge umstellen wollen. Außerdem werden mit 150 Mio. Euro soziale Einrichtungen unterstützt, sich gegen die Folgen des Klimawandels zu wappnen.

Zum Schutz unseres Wassers wollen wir klare gesetzliche Vorgaben schaffen. Ein Verursacherfonds und eine Reform der Abwasserabgabe sollen zu einer fairen Verteilung der Kosten von Abwasser- und Trinkwasseraufbereitung führen. Wir wollen die Produktverantwortung stärken. So verringern wir etwa durch verbesserte Genehmigungs- und Entsorgungsvorschriften für Medikamente die Bildung von Resistenzen und andere Gefahren von Arzneimittelrückständen.

Die Klimakrise stellt eine ernsthafte Bedrohung für unsere Gesundheit dar. Auch das Gesundheitswesen muss daher dazu beitragen, CO2-Emmissionen zu verringern. Investitionen zum Beispiel in grüne Gesundheitseinrichtungen werden wir unterstützen. Umwelt- und Klimaschutz sollen auch bei der Produktion von Arzneimitteln stärker beachtet und ein Qualitätsmerkmal bei Verträgen der Krankenkassen werden. Die Klimakrise führt schon heute zu Hitzewellen unter denen vor allem ältere und armutsgefährdete Menschen leiden. Auch Allergien und Erkrankungen beispielsweise der Haut treten vermehrt auf. Das ist eine Herausforderung für das Gesundheitswesen, der wir GRÜNE durch mehr Vorsorge, eine bessere Notallversorgung, verstärkte Hilfen für besonders verletzliche Menschen wie etwa chronisch Kranken begegnen wollen. Wir werden außerdem einen Sonderfonds zur Umsetzung von Hitzeaktionsplänen schaffen. 

DIE LINKE hat sich für den Erhalt des Rücknahme-Systems für Altarzneimittel in der Apotheke ausgesprochen. Noch immer sind die Entsorgungswege regional sehr unterschiedlich und für viele Menschen schlicht unbekannt. Hier fordern wir eine bundeseinheitliche Regelung und Information. Der beste Weg, Arzneimittel aus der Tiermast zu reduzieren, ist die Reduktion der Arzneimittelgaben selbst. Wir fordern ein Verbot der prophylaktischen Arzneimittel-/Antibiotikagabe und eine weitreichende Veränderung der Haltungsbedingungen, die auch die Notwendigkeit der Tierarzneimittelgabe reduziert. Ein klimaneutrales Gesundheitswesen ist ein wichtiges Ziel linker Gesundheitspolitik. Nach Ansicht von Expert*innen kann es bis 2035 erreicht werden – das ist unser Ziel im Gesundheitswesen wie allgemein in Wirtschaft und Gesellschaft. Hier sind viele große und kleine Schritte notwendig, von offensichtlichen wie der Stromversorgung von Kliniken über Lieferkettenkontrolle von Medizinprodukten bis hin zum Arbeitsweg von Apothekenmitarbeiter*innen.

Arzneimittel sind ein wichtiger Baustein für die Bekämpfung von Krankheiten und damit eine wesentliche Säule für unser Gesundheitssystem. Wir Freie Demokraten wollen dem Anspruch der Patientinnen und Patienten und unserer Gesellschaft insgesamt auf die Verfügbarkeit wirksamer Arzneimittel gerecht werden. Schon heute müssen bei der Zulassung und Produktion von Arzneimitteln Belange der Umwelt regelhaft berücksichtigt werden. Eine Herausforderung ist, dass Human- und Tierarzneimittel, teils durch natürliche Ausscheidungen teils durch unsachgemäße Entsorgung der Konsumenten in die Abwässer gelangen und sich in den heutigen Kläranlagen nicht rückstandslos bei der Wasseraufbereitung beseitigen lassen. Diese Herausforderung muss als gesamtgesellschaftliche Aufgabe durch technischen Fortschritt bei der Abwasserklärung und sachgemäße Entsorgung angegangen werden.

Wir Freie Demokraten stehen zu den international vereinbarten Klimazielen und wollen die angestrebte Treibhausgasneutralität durch einen alle Sektoren einbeziehenden Zertifikatehandel auf Grundlage festgeschriebener jährlicher Emissionsgrenzwerte für Treibhausgase erreichen. Wir sind davon überzeugt, dass hierdurch ein Wirtschaftsrahmen entsteht, der den Bedarf an treibhausgasvermeidenden und treibhausgasneutralisierenden Innovationen ganz erheblich befördert und wir so durch technische Neuerungen in allen Lebensbereichen unsere Klimaziele auch zum Wohle nachfolgender Generationen erreichen und zugleich wirtschaftliche Prosperität für die Menschen in unserem Land auch in Zukunft gewährleisten können.

„Zu den Wahlprüfsteinen des BPhD e.V. hat die AfD die programmatische Positionsfindung noch nicht abgeschlossen und sie können in ihrer engen Fachspezifik auch nicht in einem Wahlprogramm abgebildet werden. Darum ist es uns nicht möglich, Ihnen befriedigende Antworten zu geben. Wir wollen Sie aber auch nicht mit Floskeln abspeisen. Deswegen empfehlen wir, dass sich der BPhD e.V. in und mit diesen Fragen an den zuständigen Bundesfachausschuss 8 – Gesundheit – (der AfD, Anm. d. Red.) oder an die neue AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag wendet und sich so in einen fachlichen Austausch begibt.“

Wir streben eine europaweite Harmonisierung bei Verschreibungen und Gebrauch von Arzneimitteln durch die EMA an. Es gilt, den Über- und Fehlgebrauch von Antibiotika zu verhindern, um Resistenzen zu vermeiden. Umweltschutzaspekte sind in der gesamten Kette von der Entwicklung bis zur Entsorgung von Arzneimitteln zu berücksichtigen. Die Umsetzung des von der Europäischen Kommission vorgestellten Maßnahmenkatalogs „Strategische Konzepte bezüglich Arzneimitteln in der Umwelt“ ist anzustreben. Weitere klimaneutrale Maßnahmen in den Unternehmen im Gesundheitssystem müssen entsprechend der Aufgabenbereiche erarbeitet werden und einem gesamteuropäischen Katalog zur Klimaneutralität folgen. Da die Treibhausgase, die im Gesundheitssystem entstehen, in die Emissionen der Energie-, Verkehrs-, Gebäude- und Industriesektoren einzuordnen sind, erreicht auch das Gesundheitssystem mit der Dekarbonisierung dieser Bereiche Klimaneutralität. Dies streben wir europaweit bis 2040 an. Für Deutschland wollen wir zudem bereits bis 2035 ein CO2-neutrales Gesundheitssystem umsetzen.