Heil- und Pflegeberufe

Heil- und Pflegeberufe

  1. Was sind die kurz- und langfristigen Pläne Ihrer Partei, um die Abwanderung aus den Pflegeberufen zu vermindern bzw. die vielen aus dem Beruf ausgestiegenen Pflegefachpersonen von einer Rückkehr in den Beruf zu überzeugen?

Gemeinsame Antwort auf 2 Fragen: siehe auch Thema Arbeitsbedingungen – Frage 1 (Arbeitsbelastung):

Es ist wichtig, attraktive Arbeitsbedingungen für alle in der Pflege Beschäftigten zu schaffen, die insbesondere auch eine verlässliche Gestaltung der Dienstpläne umfassen. Die gesetzliche Regelung zur Bezahlung nach Tarif oder kirchenarbeitsrechtlichen Regelungen für Pflege- und Betreuungskräfte wird ab dem 1. September 2022 weitere Verbesserungen bringen. CDU und CSU wollen weitere 500 Millionen Euro für eine Innovationsoffensive für Robotik und Digitalisierung in der Pflege bereitstellen. Die Digitalisierung, der Einsatz von Smart-Home-Technologien sowie der Einsatz modernster Roboter sind eine enorme Chance für eine hohe Lebensqualität im Alter und die Entlastung der Pflegekräfte. Wir werden zudem Bürokratie reduzieren, damit das Pflegepersonal mehr Zeit für Patientinnen und Patienten hat und Gesundheits- und Pflegeberufe auch hierdurch attraktiver werden.

Wir wollen die Pflegeberufe durch die Verbesserung der Arbeitsbedingungen attraktiver machen. Das wollen wir durch einen allgemeinverbindlichen Tarifvertrag, eine bedarfsgerechte und wissenschaftlich evaluierte Personalbemessung sowie die Stärkung der Work-Life-Balance der Pflegekräfte erreichen. Wir werden auch das Finanzierungssystem der Krankenhäuser und Heime so umbauen, dass die gute Qualität der Pflege und ordentliche Arbeitsbedingungen belohnt werden. Eine kurzfristige Verbesserung erreichen wir vor allem dann, wenn wir diejenigen Pflegekräfte in den Beruf zurückholen, die aufgrund der Arbeitsdichte, nicht bedarfsgerechter Personalschlüssel und schlechter Vereinbarkeit des Berufs mit der Familie sich gezwungen gesehen haben, den Beruf aufzugeben. Wir sehen auch Möglichkeiten zur Stärkung der pflegerischen Versorgung durch eine Zusammenarbeit zwischen stationären und ambulanten Einrichtungen und durch eine bessere Integration der angeworbenen Pflegekräfte. Zudem wollen wir mehr Leute für die Ausbildung zu Pflegekräften begeistern und dazu einige Kampagnen in den Schulen anbieten.

Die Arbeitsbedingungen müssen besser werden, durch mehr Lohn, Arbeitsschutz und Anerkennung – und vor allem mehr Kolleg*innen und mehr Zeit. Wir GRÜNE wollen Arbeitsbedingungen schaffen, unter denen viele Menschen – ganz neu, weiter oder wieder – gerne in der Pflege arbeiten. Dafür braucht es verbindliche, bedarfsgerechte Personalbemessung, bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, mehr eigenverantwortliche Arbeit von Fachkräften, den Abbau unnötiger Bürokratie und neue Arbeitszeitmodelle. Wertschätzung braucht auch Löhne, die sie bezeugen – am besten über gute Tarifverträge. Auch gute Ausbildung, Selbstorganisation und Einflussmöglichkeiten der professionellen Pflege können sie attraktiver machen. Eine Bundespflegekammer und starke Mitspracherechte in Entscheidungsgremien sind uns wichtig. Studium und Forschung in der Pflege wollen wir finanziell und strukturell unterstützen.

DIE LINKE will bessere Arbeitsbedingungen und die Rolle der Pflegekräfte im Versorgungsprozess stärken. 500 Euro mehr Grundgehalt sofort in der Kranken- und Altenpflege sowie kürzere Arbeitszeiten bei vollem Lohnausgleich machen den Pflegeberuf attraktiver. Jeweils 100.000 Pflegekräfte mehr in Krankenhaus- und Altenpflege, tarifvertraglich auf Niveau des TVöD bezahlt sowie eine gesetzliche, wissenschaftlich begründete Personalbemessung in Krankenhäusern wie in Pflegeeinrichtungen verbessern Arbeitsbedingungen und Pflegequalität. Die Pflegerückkehrstudie hat gezeigt, dass bessere Bezahlung und mehr Personal (=bessere Arbeitsbedingungen) die Hauptpunkte wären, unter denen sich ehemalige Pflegekräfte vorstellen können, in den Beruf zurückzukehren. Der finanzielle Mehrbedarf darf nicht zu Lasten der Menschen mit Pflegebedarf gehen. Deshalb soll der Pflegevorsorgefonds in einen Pflegepersonalfonds umgewandelt werden und erforderliche Anpassungsqualifizierungen und Rückgewinnungsprogramme sollen öffentlich finanziert werden. Wir wollen die Substitution ärztlicher Leistungen in interprofessionellen Teams mit gleichberechtigten Pflegekräften fördern und die Stellung der Pflege in der Selbstverwaltung und in kommunalen Strukturen stärken.

Wir Freie Demokraten wollen Pflegende stärken. Dazu müssen die Arbeitsbedingungen über eine angemessene Vergütung hinaus verbessert werden. Darum wollen wir von der Bildung über eine bedarfsgerechte Personalbemessung bis hin zu mehr Karrierechancen dafür sorgen, dass der Beruf wieder attraktiver wird. Nur so können wir den Personalmangel an seinem Ursprung angreifen und mehr Personal in die Versorgung bringen. Durch einen umfassenden Bürokratieabbau und die Nutzung digitaler Potentiale entlasten wir Pflegekräfte von Routine- und Dokumentationsaufgaben und ermöglichen wieder mehr Zeit für pflegerische Arbeit und Zuwendung. Zusätzlich macht die Eröffnung von Karrierechancen den Pflegeberuf attraktiver. 

Die Partei wurde angefragt.

Langfristig muss es in unserem Gesundheitswesen wieder um die Patient*innenversorgung gehen. Dazu gehört, dass wir die Profitorientierung aus dem System nehmen. Um die Arbeitsbelastung insgesamt zu minimieren, muss unser Gesundheitssystem so umgebaut werden, dass es die Menschen auch gesund erhält (Prävention) und nicht nur heilt.

Wir wollen, dass die Vergütung der Angestellten aller Gesundheitsfachberufe auf ein der Verantwortung und Ausbildung angemessenes Niveau angehoben wird. Außerdem wollen wir die Rentenansprüche für Beschäftigte der Gesundheitsfachberufe mit direktem Patient*innenkontakt um ein Drittel erhöhen. Die Rentenregelung orientiert sich an der schon vorhandenen Regelung für die Beschäftigten im Bergbau.

Für die ambulante Pflege hat sich in den Niederlanden das Buurtzorg-Modell als guter Ansatz erwiesen um dort die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Dies wollen wir auch für Deutschland einführen.

  1. Wie bewertet Ihre Partei die Akademisierung der Heil- und Pflegeberufe sowie spezifisch die Implementierung primärqualifizierender Studiengänge in diesen Berufen?

Mit dem Gesundheitsversorgungsweiterentwicklungsgesetz (GVWG) haben wir die Modellklauseln zur Erprobung von akademischen Ausbildungsangeboten in der Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie bis Ende 2026 verlängert. Das ist wichtig, damit die Ergebnisse der Evaluation der Modellstudiengänge in der Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie ausgewertet werden können und wir auf dieser Grundlage und in Umsetzung des „Gesamtkonzeptes Gesundheitsfachberufe“ dann in der kommenden Wahlperiode die Reform der Berufsgesetze in den Gesundheitsfachberufen fortsetzen können. Grundsätzlich halten wir Optionen für eine weitere Akademisierung der Heil- und Pflegeberufe für sinnvoll. Hierbei gilt es jedoch zu verhindern, dass durch eine generelle Akademisierung der deutschen Gesundheitsberufe die Anzahl der Ausbildungsberechtigten reduziert und den bestehenden Fachkräftemangel noch verschärft.

Wir halten an der Berufsausbildung der Pflegekräfte fest und wollen sie nicht grundsätzlich durch ein Studium ersetzen. Wir wollen allerdings Fortbildungen und Pflegestudiengänge fördern, die einen Aufstieg und weitere Arbeit mit den Patient*innen und Bewohner*innen ermöglichen. Die Pflegestudiengänge sollen allerdings so konzipiert werden, dass die Absolvent*innen nicht von den Pflegebedürftigen “weg vom Bett“ abwandern. Zudem ist uns wichtig, dass keine Nebeneffekte entstehen, die eine schlechtere Behandlung der Pflegekräfte mit langjähriger Berufserfahrung gegenüber Pflegekräften mit einem akademischen Abschluss nur aufgrund der Akademisierung des Berufs zulassen.

Wir GRÜNE wollen die Akademisierung in den Therapieberufen zügig vorantreiben. Wir halten dies angesichts sich verändernder Anforderungen an diese Berufe für notwendig. Eine moderne und an den Interessen der Patient*innen orientierte Aufgabenverteilung setzt auch die Möglichkeit zum Erwerb entsprechender Kompetenzen voraus. Zudem erhöht dies die Attraktivität dieser Berufe. 

DIE LINKE befürwortet eine an wissenschaftlicher Personalbemessung und Versorgungsqualität ausgerichtete Bedarfsermittlung an akademisch ausgebildeten Heil- und Pflegekräften in der stationären und ambulanten Versorgung. Dafür wollen wir auch primärqualifizierende Studiengänge öffentlich fördern. Studierende brauchen in allen Studiengängen ausreichend Praxiserfahrungen, z.B. auch in der Grundpflege. Deshalb wollen wir auch duale Studiengänge mit hohen Praxisanteilen und einem Zugang auch ohne Abitur. Studieren erfahrene Pflegekräfte berufsbegleitend, sollte ihr Know-how teilweise als Studienleistung anerkannt werden. Studierende sollen einen Ausbildungsvertrag mit Mindestvergütung erhalten. Die Ausgestaltung dieser neuen Studiengänge muss aus unserer Sicht durch ein gemeinsames Förderprogramm von Bund und Ländern finanziert werden und langfristig in die Grundfinanzierung der Hochschulen übergehen. Praktikumsvergütungen sollen Menschen mit Pflegebedarf finanziell nicht weiter belasten.

Wir Freie Demokraten wollen die Pflegeausbildung reformieren. Wir wollen mehr digitale Inhalte, eine Stärkung der pflegerischen Kompetenzen und eine leistungsgerechte Durchlässigkeit in Pflegeberufen. Pflege ist ein hoch anspruchsvoller Beruf, der soziale, aber gleichzeitig auch technologische Kompetenzen erfordert. Das muss sich auch in der Ausbildung wiederfinden. Wir wollen Pflegenden ihre Berufsbiographie von der Assistenzkraft bis zur Pflegeprofessur selbst in die Hand legen. Wir setzen uns zudem für die Ausweitung von Pflegewissenschaften an den Hochschulen ein, sodass auch ein (duales) Studium für den Pflegebereich das Berufsfeld für neue Personengruppen öffnen kann. Der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen darf nicht zulasten der Auszubildenden gehen. Diese müssen die Möglichkeit bekommen, adäquat praktisch ausgebildet zu werden. Sie dürfen nicht zu „Lückenbüßern” werden. Zur Berechnung des Pflegeschlüssels sollen Auszubildende künftig nicht mehr herangezogen werden.

Die Partei wurde angefragt.

Die primärqualifizierenden Studiengänge haben das Potential die Patient*innenversorgung zu verbessern. Ebenfalls können diese die Weiterentwicklung der Gesundheitsfachberufe voranbringen. Wir wollen aber weiterhin den Zugang zu den Gesundheitsfachberufen über eine Ausbildung offen halten. Einen gesunder Skill-Grade-Mix halten wir für die beste Versorgung.

  1. Wie stehen Sie zur Übertragung ärztlicher Tätigkeiten auf andere Berufsgruppen des Gesundheitswesens (bspw. Pflege, Therapieberufe) zur selbständigen Ausübung von Heilkunde? Welche Rahmenbedingungen wollen Sie hierfür schaffen?

CDU und CSU wollen, dass Gesundheitsfachberufe attraktiv werden. Dazu werden wir die Aus- und Weiterbildung in den Gesundheitsberufen stärken und die Reform der Gesundheitsberufe vollenden. Die Kompetenzen der Heil- und Hilfsmittelerbringer wollen
wir künftig stärker nutzen. Mit dem Gesundheitsversorgungsweiterentwicklungsgesetz (GVWG) haben wir bereits in dieser Wahlperiode die Pflegefachkräfte gestärkt, weil wir überzeugt davon sind, dass es der Qualität der pflegerischen Versorgung dient, wenn alle an der pflegerischen Versorgung beteiligten Berufsgruppen entsprechend ihren fachlichen Qualifikationen verantwortungsvoll zusammenwirken. Deswegen wurde geregelt, dass Pflegefachkräfte bestimmte Hilfsmittel und Pflegehilfsmittel verordnen dürfen und Verordnungskompetenzen für bestimmte geeignete Leistungsbereiche in der häuslichen Krankenpflege erhalten. Außerdem haben wir festgeschrieben, dass die in Modellvorhaben erprobte Übertragung ärztlicher Tätigkeiten auf Pflegefachpersonen breit umgesetzt werden.

Die SPD ist der festen Überzeugung, dass für eine bedarfsgerechte Versorgung von Patient:innen die interdisziplinäre und interprofessionelle Zusammenarbeit und geteilte Verantwortung unerlässlich ist. Seit Jahren setzt sich die SPD für mehr Delegation und Substitution von ärztlichen Leistungen an Angehörige der Gesundheitsberufe ein. Dafür ist die Novellierung der Berufsgesetze wichtig und dringend, um die Qualität der Ausbildung hier abzusichern und diesem Gegenargument die Durchschlagskraft zu nehmen. Auf Bitte der 90. Gesundheitsministerkonferenz hat sich eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe mit der Neuordnung der Ausbildung der Gesundheitsfachberufe befasst und Eckpunkte für ein „Gesamtkonzept Gesundheitsfachberufe“ vorgelegt. Die SPD befürwortet diese Eckpunkte. Auf ihrer Basis muss die Neuordnung der unterschiedlichen Ausbildungen in der kommenden Legislaturperiode dringend angegangen werden.

Wir GRÜNE wollen die Aufgaben- und Kompetenzverteilung im Gesundheitswesen generell reformieren und hierzu ein allgemeines Heilberufegesetz auf den Weg bringen. Als wichtigen Baustein dieser Reformen sehen wir auch die Weiterentwicklung der Berufsgesetze. Die Ermächtigung zur selbständigen Ausübung von Heilkunde (in Abhängigkeit vom Erwerb entsprechender Kompetenzen in der Aus- und Weiterbildung) sehen wir neben der Verbesserung der Versorgung auch als ein Instrument, um die Attraktivität der jeweiligen Berufe zu erhöhen.

Schon heute übernehmen in der Praxis Angehörige anderer Berufe Aufgaben in ärztlicher Verantwortung, bewegen sich dabei wie die verantwortlichen Ärzt*innen aber oft in einer rechtlichen Grauzone. Grundsätzlich befürworten wir es, Ärzt*innen durch andere Berufsgruppen von Aufgaben zu entlasten. Vielfache Erfahrungen in anderen Staaten zeigen, dass sich die Versorgung nicht verschlechtert. Voraussetzung sind jedoch eine entsprechende Qualifizierung und ein rechtssicherer Rahmen. Wir wollen, dass die vorliegenden Erfahrungen aus Modellprojekten schneller verbindlich in die Regelversorgung überführt werden, z.B. bei Heilmitteln. Spezialisierte Pflegekräfte können in der ambulanten Versorgung deutlich mehr Aufgaben übernehmen. Das Konzept der „Gemeindeschwester“ ist erfolgreich erprobt und sollte weiterentwickelt in die Fläche gebracht werden. Auch in Polikliniken können Pflegekräfte die erste Ansprechperson sein, zum Beispiel Erstbehandlungen durchführen und im Fall-Management Verantwortung für Behandlungswege übernehmen. Hebammen könnten ebenfalls erste Ansprechpartnerinnen analog den Regelungen in den Niederlanden sein.

Wir Freie Demokraten setzen uns für die Übernahme von ärztlichen Tätigkeiten durch erfahrenes Pflegepersonal ein. An vielen Stellen ist das heute schon Realität. Wir wollen diese Kompetenzen dauerhaft und rechtssicher bei den Pflegefachkräften verankern. Die Substitution und Delegation von definierten ärztlichen Leistungen an Pflegefachkräfte, vor allem mit akademischer Ausbildung, soll unter sicheren Rechts- und Haftungsverhältnissen ermöglicht werden. Damit tragen wir der Situation im Arbeitsalltag Rechnung und werten den Beruf auf.

Die Partei wurde angefragt.

Wir befürworten die Übertragung ärztlicher Tätigkeiten auf andere Gesundheitsfachberufe. Wir sehen großes ungenutztes Potential in diesen Berufen.

Wir setzen uns dafür ein, dass das aktuelle Heilpraktikergesetz von 1939 gestrichen und ein modernes bundeseinheitliches Gesundheitsberufegesetz geschaffen wird. Dieses soll die Grundvoraussetzungen für eine kooperative Zusammenarbeit schaffen und die Kompetenzen der Berufe definieren. Ergänzend soll evaluiert werden, wie die Kompetenzen weiter gestärkt und ausgebaut werden können.